Die mehrteilige Ausstellung INDIGO WAVES AND OTHER STORIES: RE-NAVIGATING THE AFRASIAN SEA AND NOTIONS OF DIASPORA unternimmt den Versuch, die lange Geschichte des Austauschs über Wasserwege hinweg zu untersuchen, aus dem enge kulturelle und soziale Beziehungen zwischen dem afrikanischen und dem asiatischen Kontinent hervorgegangen sind. Sie bringt das Schaffen von mehr als fünfzig Künstler:innen, Filmemacher:innen, Musiker:innen, Schriftsteller:innen und Denker:innen zusammen. Durch neue Arbeiten und bereits bestehende Projekte zeichnet die Gruppenausstellung ozeanische Verbindungen zwischen Afrika und Asien nach und verdeutlicht die Überschneidungen und diasporischen Transfers zwischen den beiden Kontinenten, die im 21. Jahrhundert zunehmend an globaler politischer, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung gewinnen. Als gemeinsamer Horizont macht der Raum, der auch Indischer Ozean genannt wird, dabei die unterschiedlichen Schattierungen kultureller, sprachlicher, politischer und historischer Übergänge von der Antike bis zur Gegenwart sichtbar.
Der Ozean, der sich von der ostafrikanischen Küste über die Arabische Halbinsel bis nach Westozeanien erstreckt, trägt viele Namen: Ziwa Kuu, Swahili-See, Afrasisches Meer, Indischer Ozean, Ratnakara, Eastern Ocean, Indic Ocean und Bahari Hindi. Schon lange prägen Hybridität, Verdrängung und diasporische Wanderungen diesen Wasserkörper, der Ozeanien, Asien und Afrika miteinander verbindet. Die Projekt führt von antiken Routen transregionaler Forschungs- und Handelsreisen über saisonale Migrationsbewegungen hin zum heutigen afroasiatischen Austausch auf geopolitischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene, zu Sprachen, Nahrungsmitteln, Klängen, Winden, Gewässern, Ökonomien und lebendige Philosophien.
Als dynamisches Netzwerk des Wissensaufbaus vereint diese redaktionelle Plattform neue Sachbücher und Belletristik, Künstler:innen-Videos und Audiobeiträge sowie eine umfassende Ausstellungsdokumentationen. Die Welt des Indischen Ozeans wird prismatisch gelesen, wobei wir unsere Aufmerksamkeit auf vorkoloniale Geschichtsschreibung, maritimen Kosmopolitismus, nautische Überlieferungen, materiellen Synkretismus und Migrationswege sowie Systeme von Gefangenschaft und Knechtschaft, heilige Geografien, musikalisches Erbe und die gegenseitige Abhängigkeit von menschlichen und nicht-menschlichen Wesen lenken.
Indem wir das Wissen teilen, das viele von uns als “Wasserwesen” in sich tragen, beabsichtigt Indigo Waves and Other Stories: Re-Navigating the Afrasian Sea and Notions of Diaspora, wechselseitige Bewegungen anzustoßen, die etablierte geopolitische Bewertungssysteme und die akademische Dominanz rund um den Nordatlantik ins Wanken bringen – und Räume für Akkulturation, afroasiatische Imaginationen, eine Atmosphäre der Vielsprachigkeit und die Monsunzyklen des Afrasischen Ozeans öffnen.
Initiiert von Natasha Ginwala und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, gemeinsam kuratiert mit Michelangelo Corsaro und Hajra Haider Karrar
Eine Zusammenarbeit von Gropius Bau, SAVVY Contemporary, Berlin; Zeitz MOCAA, Kapstadt; Vasl Artists’ Association, Karachi und BLAK C.O.R.E. (Care of Radical Energy), University of Melbourne.